Mein neuer Film “TOP GIRL oder la déformation professionnelle”

Ich gehe in meinen Filmen der schlichten Frage nach warum „DER FEMINISMUS“ – und die damit verbundenen POLITISCHEN Forderungen (das Projekt der Emanzipation der Gesellschaft, der Analyse asymmetrischer Geschlechterverhältnisse, der konkreten BEFREIUNG aus heteronormativen Zwängen) – so auf den Hund kommen konnte.

Sehr (da kennen sich andere wirklich besser aus) verkürzt lässt sich rückblickend  sagen: ALLE waren froh über neue Begrifflichkeiten in den 90ern und Diskussionen über KONKRETE Ungleichheiten, wurden auf ANDERE gesellschaftliche GRUPPEN verlagert. Durch den Begriff des Postfeminismus wurde suggeriert, dass auch die sozio-politische Ziele des „FEMINISMUS“ erreicht wären.

Ein zentraler Satz im, ersten Teil der Frauen- und Arbeittrilogie „Eine flexible Frau“ lautet: „Der derzeitig propagierte Feminismus ist in Wirklichkeit nichts anderes als eine konservative Emanzipation“ Was heißt das? Trotz Zahlen und Fakten wird die Geschlechterhierarchie geleugnet und das Gegenteil behauptet. Dabei ist offensichtlich, dass z.B. der Arbeitsmarkt weiterhin zwischen Männern und Frauen differenziert. Am eklatantesten zeigt sich dies in der Überzahl von Frauen in Teilzeit oder schlecht bezahlter Arbeit im Dienstleistungssektor ohne feste Verträge.80 % aller Teilzeitarbeitsplätze sind von Frauen besetzt. Teilzeit ist aber nicht nur schlechter bezahlt sondern es gibt weniger Aufstiegschancen. Frauen werden auch dorthinein gedrängt, weil es keine Betreuungsplätze für ihre Kinder gibt, etc. Es gibt viele Gründe, klar. Gleichzeitig ist es unübersehbar, dass Frauen heutzutage Zugang zu Jobs, Geld, Karriere, ja sogar zur Macht haben und diese strategisch zu nutzen wissen. Sie sind FREI.

Der flexibilisierte globalisierte Kapitalismus schließt „die Frauen“ also nicht mehr aus oder diskriminiert sie offen wie das noch im letzten Jahrhundert der Fall war. Das kann er sich auch nicht leisten, denn er braucht sie als flexible Arbeitskräfte und als treue, kaufkräftige Konsumentinnen. Dazu produziert er permanent Bilder, die Teilhabe und Erfolg versprechen. Diese Bilder geben vor, die Geschlechterhierarchie hätte sich zugunsten der Frauen geändert. Das meine ich mit KONSERVATIVER EMANZIPATION. Eine „Emanzipation“, die den Status Quo – die Geschlechterhierarchie, die Frauen sehr wohl weiterhin strukturell ausgrenzt – nicht angreift, sondern sich in ihr einrichtet und dieser einen neuen, dem Zeitgeist angemessenen Look gibt. Mit „Eine flexible Frau“ wollte ich diesem Bild von der „scheinemanzipierten Frau“ etwas entgegensetzen: die Idee einer Komplettverweigerung als KRITIK.

Ein weiterer Aspekt der Scheinemanzipation ist m.E. die unaufhaltsame Akzeptanz des Warencharakters der (nicht nur) weiblichen Sexualität und des Körpers – Selbstoptimierung als Emanzipationsvorsprung. Diesen Aspekt habe ich im zweiten Teil der Frauen- und Arbeittrilogie „TOP GIRL“ bearbeitet. Mit Helenas Aufstiegsgeschichte wollte ich die Debatte aufgreifen, ob die Prostitution die bestehende Geschlechterhierarchie aufbrechen kann – im Sinne eines anderen, freieren Umgangs mit Sexualität, oder ob Prostitution nicht vielmehr die bestehenden Verhältnisse verstärkt, Sexismus unterstützt und die – „selbstbestimmte“ – Sexarbeit nur ganz wenigen Frauen vorbehalten ist. Allgemein gesprochen: Ist individuelle Emanzipation überhaupt ohne eine gesellschaftliche Veränderung der bestehenden Geschlechterverhältnisse möglich?

Ich glaube nicht.

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